The Story of Müll - aus den Augen aus dem Sinn?

Müll auf der Straße

„Ein Teil unserer täglichen Wahrnehmung von Realität ist, dass das [zeigt auf einen Müllberg] einfach aus unserer Welt verschwindet. […] Natürlich wissen wir rational, dass es [noch] da ist […]. Aber in unserer grundlegendsten Erfahrung verschwindet es von unserer Welt.“
Slavoj Žižek in The Examined Life (während er in einer Müllanlage steht)“

Trennst du deinen Müll? Da hast du´s auch schon

Die einzigen Schritte, die wir im Leben unseres Mülls folgen sind diese: wir erzeugen ihn und werfen ihn weg – im besten Fall trennen wir ihn dabei. Sobald wir unseren Abfalleimer in die Tonnen vor unserem Haus gebracht haben und das morgendliche Schnaufen des Müllabfuhrwagens hören, ist unser Müll für uns Geschichte. Und wir haben nur eine sehr wage Ahnung von dem, was danach mit ihm geschieht.

Dabei ist seine Geschichte damit noch lange nicht zu Ende!

Müll wird in Deutschland in folgenden Kategorien getrennt:

  • Papier
  • Gelber Sack (außerhalb Münchens): Er ist für Verpackung (dabei hauptsächlich Plastik), Dosen und Verbundstoffe (wie Pringles-Packungen oder Tetrapaks). In einigen Städten gibt es stattdessen die Wertstofftonne, in die auch Sachen aus den Materialien kommen, die keine Verpackungen sind, wie z.B. Blumentöpfe aus Plastik oder Plastikspielzeug.
  • Biomüll: (braun) Hier darf rein, was kompostierbar ist, und in den meisten Fällen auch Essensreste, Milchprodukte und Fleisch. Aufgepasst: Dies unterscheidet sich je nach Entsorger! Lies also unbedingt nach, wie es bei dir vor Ort ist. Biomülltonnen sind nicht überall verpflichtend.
  • Glas: wird nach Farbe getrennt: Weiß, grün und braun. (Kaputte) blaue Flaschen, (z.B für Mineralwasser) gehören zum Grünglas.
  • Kleidung und Schuhe: auch das ist leider Müll. Alte, noch verwendbare Kleidung kannst du aber zur Diakonie oder auf einer Wertstoffinsel in die Altkleidersammlung geben. (Das sind die orangen-farbenen Container des AWM) Wenn Kleidung beschädigt oder kaputt ist, kannst du kreativ werden: überlege dir, ob aus dem Stoff noch etwas neues entstehen kann!
  • PET-Flaschen: Hierfür bekommst du 0,25 € Pfand, damit sie auch ihren Weg in den Recycling-Kreislauf zurück finden. Allerdings gilt die Pfandpflicht aus bestimmten Gründen nur bei Getränken mit Kohlensäure…?
  • Ein weiteres Pfandsystem gibt es für Getränkedosen.
  • Sondermüll: also Müll mit giftigen Bestandteilen, wie z. B Farben und Lacke (dazu zählt auch Nagellack!)
  • Elektromüll: alte Smartphones, PC´s, Fernsehgeräte etc.
  • Sperrmüll: dazu zählen alte Möbel, Matratzen,  Hausrat. Auf den Münchner Wertstoffhöfen kannst du besonders diese sperrigen Abfälle, Problemstoffe und Grünschnitt in haushaltsüblicher Art und Menge (also nie größer als eine PKW- Ladung)  gebührenfrei abgeben.
  • Restmüll (schwarze Tonne): damit ist alles gemeint, was in keine der oben genannten Kategorien fällt.

Abgesehen von deinem Hausmüll produziert unsere Industrie und Gewerbe haufenweise Müll, deren Ausmaße uns nicht vorstellbar sind.

  • In der Gastronomie, bei Landwirten, Lebensmittelverarbeitern und dem Handel entstehen gemeinsam mit dem anfallenden Essenresten aus Haushalten jährlich etwa 13 Millionen Tonnen LEBENSMITTELMÜLL. (Stand: Mai 2019).
  • Gewerbe und Industriemüll ( also von Bau, produktionsspezifische Abfälle…)

Bleiben wir aber vor deiner Haustüre !

Nach dem du den Müll getrennt hast, wird er nach einem Abfuhrplan von der örtlichen Müllabfuhr abgeholt. In München übernehmen diesen Job die Mitarbeiter*innen des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM). Du erkennst sie an den orangefarbenen Fahrzeugen. Müllmänner und -frauen leisten damit eine einzigartige Arbeit, die in der Gesellschaft vollständig unterbewertet wird.

Der AWM sammelt und transportiert circa 500.000 Tonnen Abfälle pro Jahr: 60 Prozent aller eingesammelten Abfälle werden stofflich verwertet (also recycelt) , 40 Prozent dienen im Heizkraftwerk Nord zur Strom- und Fernwärmeerzeugung für die Stadt. Außerdem betreibt der AWM verschiedene Entsorgungsanlagen, wie den Entsorgungspark Freimann und 12 Wertstoffhöfe im Stadtgebiet.*

Zur Entsorgung gibt es außerdem die dir bestimmt bekannten, zartgelben Wertstoffinseln. Hier kannst du Kunststoffe (z. B. Getränkekartons, Kunststoffverpackungen, – Flaschen, Becher, Styropor, Verpackungsfolien) Dosen/Alu (z. B. Alufolien, Aluminium, Spraydosen, Kronkorken, Schraubverschlüsse von Flaschen und Gläsern, Weißblech, Konservendosen) und Glas abgeben (blau, weiß, grün). Sie werden nicht vom AWM geleert und sind auch nicht in seinem Dienst. Die Münchner Wertstoffinseln gehören zu dem sogenannten „Dualen Systemen“, einem  Müllentsorgungssystem, ihre Entsorgung wird von privaten Unternehmen übernommen. Die orangefarbenen Altkleiderbehälter, die du auch oft an diesen Inseln sehen kannst, gehören aber ebenfalls zum AWM und werden auch von ihm geleert.

„Als duales System bezeichnet man die haushaltsnahe Sammlung und Entsorgung von gebrauchten Verkaufsverpackungen in Deutschland, gemäß den Vorgaben des deutschen Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes. (…) In München sind die dualen Systeme für die Verpackungen zuständig, die auf den Wertstoffhöfen und an den Wertstoffinseln gesammelt werden. Die dualen Systeme sind verantwortlich für die Auswahl der Standorte, den Betrieb und die Sauberhaltung der Wertstoffinseln in München.“

AWM - Abfallwirtschaft München

Und was passiert jetzt mit meinem Müll?

Dein Hausmüll und auch der der Industrie oder des Gewerbes landet nicht wie noch vielen erwartet, auf einer Münchner Mülldeponie. Die sind schon seit längerem geschlossen – stattdessen wird er, gesammelt aus den Wertstoffcontainern und den Inhalten deiner Mülltonnen in einer Abfallaufbereitungsanlage in der der er umgeladen und erneut sortiert wird.

Das Ziel ist es hier, aus dem Abfall sogenannte Ersatzbrenntstoffe zu gewinnen. Dazu wird der Müll nach seinem kalorischen Wert (oder auch Brennwert) sortiert, also die Energie, die man dem Abfall noch zur Stromerzeugung entnehmen kann. Alles, was diesen Wert verringert oder bei der Energieerzeugung stört (Störwert) wird dabei aussortiert, und in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt. Das ist zum Beispiel bei Matratzen und bei Restmüll der Fall. Restmüll aus der schwarzen Tonne kommt deshalb gezielt in Müllverbrennungsanlagen. Aber auch Kunststoffverpackungsabfälle, die aus verschiedenen Gründen nicht recycelt werden können, werden verbrannt.  Daher ist es so wichtig, so viel Verpackungsmüll wie möglich zu vermeiden, um die Ressourcen Verschwendung so klein wie möglich zu halten! Verpackungsabfälle aus Plastik können nämlich nur verwertet werden, wenn sie sortenrein getrennt wurden, also nur aus einer Kunststoffart bestehen, und werden vorher zu einer entsprechenden Sortieranlage transportiert.

Diejenigen Stoffe, die sich verwerten lassen (das ist unter anderem Metall, PET, Altpapier und Bioabfall) werden in chemischen, mechanischen oder physikalisch aufwändigen Prozessen in ihre Einzelstoffe sortiert, gesammelt und anschließend in Recycling anlagen gebracht. Altpapier wird gepresst und zu Recyclingpapier verarbeitet, aus Bioabfall entsteht Kompost, Ökostrom oder Münchner Bioerde. Metalle werden ebenfalls aussortiert und später in Stahlwerken eingesetzt.

Kleines Fazit

Wer einmal in einer sogenannten Müllentsorgungsanlage war, der hat vor allem eine Impression: Müll wird zunächst äußerst aufwendig und sehr kleinschrittig sortiert. Das passiert auch mit Industrie und Gewerbeabfällen- sie landen in riesigen Müllhallen, werden in gigantischen Greifern transportiert und von komplizierten Maschinen getrennt und umgeladen. Die einzelnen Bestandteile werden anschließend zu Anlagen der weiteren Verarbeitung gefahren.  Dieser Transport bedeutet einen sehr großen logistischen Aufwand: unser Müll wird teilweise durchs ganze Land oder sogar ganz Europa kutschiert ! Aber auch einen hohen Verbrauch von Ressourcen und Sprit. Und das gilt leider nicht nur für Materialien, die recycelt werden. Sogar solche Materialien, die in Verbrennungsanlagen landen, müssen zunächst sortiert und zerkleinert werden, bevor er erneut in großen LKWS zu seinem Einsatzort transportiert wird.

Warum dich das interessieren sollte?

Müll ist eines der größten Probleme unserer Gesellschaft, was ganz einfach daran liegt: Wir produzieren zu viel. Noch immer sind Verpackungsgesetze entscheidend darüber, wie wir mit Ressourcen umgehen und wie wir sie verschwenden. Wir produzieren so viel Abfall, dass der Aufwand, ihn zu entsorgen und so gut wie möglich zu recyceln immer größer wird. Und dieser Aufwand wird nicht in allen Ländern betrieben. Viele Länder besitzen nicht entsprechende Entsorgungsysteme. Aber auch der deutsche Abfall wird nicht auschließlich recycelt- wir verkaufen einen Großteil davon an asiatische Länder, in denen diese Systeme fehlen oder mangelhaft sind, sodass der Abfall einfach in der Umwelt „entsorgt“ oder verbrannt wird.

Leider landen auch immer noch viel zu viele Materialien in der falschen Tonne- beispielsweise im Restmüll, wo sie restlos verbannt und ihre Ressource verschwendet wird.

Deshalb ist es wichtig, dass du Müll richtig trennst- oder überhaupt erst nicht so viel produzierst!