Wie Du mit diesen 10 Tipps ganz leicht Müll im Alltag vermeiden kannst

Den Drang, alles sofort umstellen zu wollen, von jetzt auf morgen müllfrei zu leben – dieses Gefühl, diese Motivation ist ein toller Impuls. Und es ist vollkommen normal, wenn Du Dich am Anfang überwältigt fühlst von all den Dingen, die Du laut Ratgeber XY und Zero Waste Influencer Z machen „musst“, um selbst auch nur noch ein Schraubglas voll Müll pro Jahr füllen zu können. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass es ebenso vollkommen in Ordnung ist, wenn Du Dir einfach ein wenig Zeit nimmst, bis Du DEN Weg für DICH gefunden hast: Müllvermeidung nicht als selbstauferlegte Last, sondern als eine Angewohnheit, die Dir hilft, nachhaltig im Alltag zu handeln. Das Müllglas als Vision, als Ansporn statt einer Norm, einem Standard zu sehen. Denn sobald Du feststellst, wie langsam Deine Papier-, Plastik- und Restmüllberge nun wachsen, wird Dich jeder eingesparte Müll weiter motivieren. Im Folgenden geben wir Dir einen Überblick über kleine und einfache Änderungen in Deinem Handeln, die viel bewirken:

1. Stoffbeutel für alle Fälle einpacken

Ohne Einkaufszettel losgezogen, im Supermarkt zu 1-2 extra Dingen verführen lassen und sich an der Kasse gefragt, wie man das eigentlich alles nachhause transportieren will? Fünfzig Cent für eine Papiertüte? „Nein, nicht schon wieder“, seufzen wir vor uns hin, während wir uns fragen, ob das extra Glas unseres Lieblingsaufstrichs ausgerechnet heute unbedingt sein musste. Eine Tüte extra kaufen, die wir selbst nach mehrmaligem Gebrauch irgendwann wegwerfen müssen, erscheint uns unsinnig. Dann bleibt Möglichkeit Eins: Stopfen. Bis der Rucksack wortwörtlich aus allen Nähten platzt. Möglichkeit Zwei: Sich an Dehnübungen für die Arme versuchen. Drei Äpfel in die eine Hand, das Baguette unter die Achsel geklemmt und das Toilettenpapier in den Ellenbogen gehängt, die andere Hand ist dann noch frei, um alles aufzuklauben, was man trotz meisterhaften Balancierkünsten auf dem Weg verliert. Möglichkeit Drei: Sich vornehmen, daheim gleich einen der vielen Stoffbeutel, die auf vielfältige Weise den Weg in Deinen Hausstand gefunden haben, in den Rucksack zu stecken, damit ausgeleierte Rucksäcke und Arme der Vergangenheit angehören.  

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2. Wasser aus der Leitung trinken

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Wie fantastisch ist es eigentlich, dass wir nur den Wasserhahn daheim aufdrehen müssen und unseren Durst stillen können? Leitungswasser ist dank akribisch kontrollierter Trinkwasserverordnung das mit am besten kontrollierte Produkt in Deutschland und damit eine viel praktischere und umweltfreundliche Alternative zu gekauften Wasserflaschen, die a) weil aus Plastik, früher oder später geschreddert und zu minderwertigerem Plastik verarbeitet werden oder b) weil aus Glas, zerbrechlich und schwer sind und man sie nach Gebrauch wieder zum Getränkemarkt zurückschleppen muss.  Allein durch den Transport ist die Umweltbelastung von Mineralwasser gegenüber Leitungswasser 600mal höher. Für unterwegs am besten immer ein dichtes Behältnis dabeihaben, das man überall auffüllen kann. Egal ob stylische Glasflasche, alte Bierflasche mit Bügelverschluss, ein Schraubglas, eine robuste Metallflasche – immer mehr Orte zieren Refill-Sticker, an denen Du problemlos frisches Wasser nachfüllen kannst. In vielen Städten gibt es auch extra ausgewiesene Trinkwasserbrunnen oder öffentliche Wasserspender, die rund um die Uhr zugänglich sind. Geschleppe adé!

3. Auf feste Kosmetik umsteigen

Nicht nur praktisch auf Reisen, sondern auch sehr ergiebig sind feste Seifen und Shampoos, feste Deos, Zahnputztabletten, … Bei Selbigem aus der konventionellen Plastiktube und Aluspraydose kaufst Du das darin enthaltene Wasser und unaussprechliche Zutaten mit, die für eine hohe Haltbarkeit sorgen. Nach Gebrauch bleibt einiges des kostbaren Shampoos im Behälter zurück – und wenn wir ehrlich sind, diese ganzen bunten Plastiktuben und -döschen im Bad stören auch unseren Anspruch an ein ästhetisches Wohlfühlbad. Bei fester Kosmetik ist dagegen nur das Nötigste enthalten, oft in biofairer Qualität. Fehlendes Mikroplastik geht uns gar nicht ab und hübsch sieht das Ganze auch aus. Wer braucht noch mehr Argumente?

4. Lebensmittel wertschätzen

Lebensmittel wollen gegessen und genossen werden – und trotzdem werfen wir im Schnitt 75kg Lebensmittel pro Jahr weg. Lebensmittel auf diese Weise zu verschwenden, weil sie nicht mehr so knackig aussehen oder wir sie schlichtweg in der hinteren Ecke des Kühlschranks vergessen haben: Lebensmittelwertschätzung ist eine weitere wichtige Säule, wenn es um Abfallvermeidung geht. Deshalb besser mit Plan und nach Bedarf einkaufen. Was möchte ich essen, worauf habe ich Appetit, was habe ich schon im Kühl- und Vorratsschrank und was gibt meinem Gericht den letzten Pfiff? Falls man sich doch mal verkalkuliert, gibt es vielfältige Möglichkeiten, Lebensmittel länger haltbar zu machen.

5. Mahlzeiten planen

Gerade wenn wir unterwegs oder in der Büromittagspause sind, greifen wir auf fertig belegte Brötchen vom Bäcker, auf unnötig verpackte Fertigmahlzeiten im Supermarkt oder Takeaway in der Styroporbox von der Imbissbude um die Ecke zurück. Oft muss es schnell gehen und dann nehmen wir das hastig heruntergeschlungene Brötchen zwischen Vormittagstrubel, wichtigem Nachmittagsmeeting und Toilettenbesuch in Kauf. Auf der Strecke bleiben unser Genuss, das Sättigungsgefühl und der Eindruck einer gut genutzten, entspannenden Pause. Öfter daheim Essen vorkochen und mitnehmen oder in der Früh ein Brötchen selbst schmieren hilft uns dabei, mit Start der Pause gleich zum Essen zu kommen und nicht erst irgendwohin rennen zu müssen, um uns in der überschaubaren Zeit um die Nahrungsversorgung zu kümmern. Dass wir dabei ganz nebenbei auch Müll sparen – doppelter Pluspunkt. Und wenn es wieder so stressig zugeht, dass Vorkochen & Co nicht drin ist: Eine Tupperbox oder ein Behälter mit Deckel ist schnell ins Büro gelegt und griffbereit für all diese Anlässe. In vielen Bistros, Imbissbuden und Restaurants bekommst Du auf Nachfrage Dein Essen ganz müllfrei in die eigene Box. 

Essen für unterwegs

6. Post vereinfachen

Viel Papiermüll kommt über unseren Briefkasten ins Haus. Zum einen in Form von wahllos verteilten Werbeprospekten („Bitte keine Werbung“-Aufkleber am Briefkasten hilft), in Form von Katalogen und personalisierter Werbepost, weil man sich anno dazumal eine Kundenkarte zugelegt hat (wenn nicht benötigt, einfach kündigen oder abbestellen), oder in Form von Info-Post von Versicherungen, Banken etc. Bei vielen Ämtern hat man die Möglichkeit, die Post auf eine Mailbenachrichtigung umzustellen. Anstatt eines Papierdokuments, welches Dich über potenziell interessante neue Versicherungspakete informiert, landet eine Mail in Deinem Posteingang, die du speichern und bei Bedarf immer noch ausdrucken kannst.

7. Mit E-Tickets entspannen

Ein Smartphone ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Zugtickets können wir online reservieren und als QR-Code auf unser Handy laden. Gleiches gilt für die meisten Konzerte, Veranstaltungen, Museen und Kinos. Und tatsächlich gehen wir, sind wir ehrlich, in unserem vollgepackten Alltag selten spontan irgendwohin, sodass wir uns fast nur noch zwischen selbst ausgedrucktem oder E-Ticket entscheiden. Richtige Tickets gibt es eigentlich nur noch am Schalter… Obwohl es sicherlich ein cooles Souvenir wäre, die Eintrittskarte zu einem besonderen Ereignis in Ehren zu halten und als Original irgendwohin zu hängen oder in Fotoalben zu kleben – wertvoller als das materielle Papierticket ist die schöne Erinnerung. Und die bleibt uns auch dann noch, wenn das Ticket nach Jahren in einer verstaubten Schachtel kaum mehr lesbar ist. Deswegen stehen wir zu unseren Plänen und Verabredungen, holen uns ein E-Ticket und müssen so auch keine Angst haben, das so wichtige Einlasskärtchen daheim vergessen oder verloren zu haben.

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8. Werbegeschenke ablehnen

Plastikspielzeug

Goodie-Bags klingen als Gastgeschenk auf einer Messe zwar verlockend, doch in vielen Fällen brauchen wir einen Großteil der uns zugeworfenen Produkte gar nicht. Der zehnte Plastikkuli, der x-te Notizblock mit dem Logo irgendeiner Firma – wenigstens noch nützlich. Aber das knallgelbe T-Shirt mit semi-lustigem Spruch, das an die Berufskleidung von bestimmten Branchen erinnert, wirst Du eher nicht anziehen. Brauchst du fünf Gummibärchen in einer Mini-Plastiktüte wirklich? Einen völlig undichten Coffee-To-Go-Becher? Dazu kommt die Masse an Flyern, die man schneller in der Hand hält, als man „Danke, aber…“ sagen kann. Lösung: Goodie-Bag freundlich ablehnen, Interesse bekunden, Flyer abfotografieren.

9. Auf Qualität achten

Müllvermeidung betrifft nicht nur den Lebensmitteleinkauf und das Vermeiden von Papier- und Plastikmüll, sondern auch Dinge, die uns längerfristig begleiten. Kleidung und Schuhe etwa. Hier auf die Qualität achten: lieber ein Paar Schuhe, das zeitlos ist und man zur Not auch zum Schuster bringen kann, als drei Paare, die nach einem Jahr schon auseinanderfallen und bei denen sich eine Reparatur gar nicht erst lohnt. Die Herstellung von Kleidung verbraucht viele Tonnen Wasser und Energie und die Herstellungsbedingungen sind auch ein Thema für sich. Das Ziel sollte also sein, diese Produkte möglichst lange im Kreislauf zu halten. Wenn Dir der gepunktete Pulli nicht mehr gefällt, gib ihn im Freundeskreis, bei Tauschpartys, an soziale Einrichtungen oder Second Hand Läden weiter, wo es eine andere Person glücklich machen wird. Qualitativ hochwertige Produkte (idealerweise aus fairer Produktion) bleiben auch nach dutzenden Waschzyklen schön. Ansonsten: Sortenreine Produkte wie ausgewaschene, löcherige Baumwollpullover finden im Recycling als Dämmmaterial eine neue Bestimmung. Alles andere, was nicht mehr nach Material getrennt werden kann, landet in der Verbrennung, wenn es nicht mehr gut genug ist für den Second Hand Laden. Hochwertige Produkte aus natürlichen Materialien machen also nicht nur Dich lange glücklich, sondern auch die Nutzer, die nach Dir kommen, solltest Du Dich am Stil sattgesehen haben.

10. "Müll“ weiterverwenden

Auch mit den besten Absichten wird immer etwas, wenn auch wenig, Müll, anfallen. Anstatt diesen gedankenverloren gleich in die Tonne zu werfen, frage Dich, wofür er noch gut sein könnte. Einseitig bedrucktes Papier wird zu Notizzetteln, die Plastikschale von Champignons bringt Ordnung in chaotischen Schubladen, Kartons leben ein zweites Mal als Paketverpackung weiter, das Plastiknetz von Mandarinen wird zu einem Topfschwamm, die Plastiktüte vom Toilettenpapier wird zur Abfall- und eine ausgelesen Zeitung zur Bioabfalltüte… Müll wird erst dann zu Müll, wenn er für uns keinen weiteren Nutzen mehr hat.