Das große Problem mit Plastik - Teil 3: Plastik in unseren Meeren

In unserer Artikelserie stellt dir unsere Autorin Kristin in drei Teilen das große Problem mit dem Plastik vor. 

Von wegen recyclingmeister

Wenn du Teil 1 und 2 bereits gelesen hast, hast du bestimmt begriffen: Plastik im Wasser ist ein Problem. Wie kommt es überhaupt dahin? Und was bewirkt es dort?

Ein Großteil des Plastiks, mit dem wir uns im Alltag umgeben, wird über Flüsse in die Meere geschleust. Hauptsächlich aus zehn großen Flüssen, vor allem im asiatischen Raum. Und von wegen Recyclingmeister: Deutschland exportiert seinen Müll meist in asiatische Drittländer, Länder, die genauso viel mit dem Thema Müll zu kämpfen haben, statt ihn selbst zu recyceln.  In Diesen Drittländern wird der Plastikmüll wegen fehlender Müllentsorgungsanlagen meist verbrannt oder landet, wenn nicht auf einer Deponie, im Meer. Der Hauptteil des Plastikmülls im Meer stammt aus asiatischen Ländern wie Thailand, China, Indonesien, Indien oder Vietnam.

Und so landen jedes Jahr etwa zehn Millionen Tonnen Kunststoffmüll in den Weltmeeren. Das entspricht etwa einer LKW-Ladung Plastik pro Minute. (S. 28) Kein Wunder: Drei Viertel des Mülls im Meer ist Kunststoffmüll.

Kontinent Plastika

Durch den Menschen verursacht und durch globale Strömungen und Winde geformt haben sich Plastikkonzentrationen in unglaublichen fünf Müllstrudeln gebildet. Es gibt einen nordpazifischen Strudel, einen (süd)indischen, südpazifischen, einen nordatlantischen und südatlantischen Müllstrudel. Der nordpazifische Strudel unter dem Namen Great Pacific Garbage Patch ist wohl der bekannteste: er befindet sich einige Tausend Kilometer vor der Küste Kaliforniens und hat eine 4-5 Mal so große Fläche wie Deutschland!

Selbst an vermeintlich unangetasteten Orten wie der Tiefsee oder Antarktis schwimmt und lagert sich Plastik ab. Und wusstest du das? Auch Im Mittelmeer finden sich ähnlich hohe Anteile von Plastik wie in den fünf ozeanischen Müllstrudeln. (S.28) Der Plastikabfall landet dabei vor allem durch den küstennahen Tourismus ins Meer, aber auch etwa durch illegale Entsorgung, Mülldeponien und natürlich die Fischerei. Auch in der Nordsee sind 40 Prozent des Mülleintrags auf die maritime Offshore- Industrie, die Schifffahrt und besonders die Fischerei zurückzuführen. (S. 28)  

Was passiert mit all dem Müll? Bevor er zu Boden sinkt, richtet er oft an der Meeresoberfläche schon verheerende Schäden an. Der unglückliche Rest zerfällt, in einem sehr langsamen Prozess in Kleinstpartikel von weniger als fünf Millimetern: Mikroplastik. Und das verteilt sich überall hin.

Das unsichtbare Grauen

Wenn wir nicht gerade in indonesischen Gewässern schnorcheln und uns über den Müll wundern, der an den Traumstränden auf Bali oder an unserem Stammstrand auf Capri rumliegt, dann merken wir den Plastikmüll in den Ozeanen nicht. Denn der größte Teil des Plastiks im Meer verteilt sich so, dass wir ihn nicht sehen können. Der Plastikatlas 2019 schätzt die Menge Plastikmüll, die bisher im Meer gelandet ist, auf 86 Mio. Tonnen. Davon treibt nur der kleinste Teil auf der Meeresoberfläche: etwa 0,5 % des Plastikanteils im gesamten Ozean. 23 Millionen Tonnen (das sind etwa 27 Prozent) tummeln sich in den Küstengewässern. An den Stränden der Welt finden wir davon etwa 29 Millionen Tonnen Plastik. Ein Großteil liegt auf dem Meeresboden. Und die restlichen Millionen Plastikteile? Sie treiben, entweder grobteilig oder in Form von Mikroplastik im offenen Meer (das sind etwa 39%).  (Plastikatlas 2019, S.29)

Gefährlich für die Artenvielfalt

Vor allem an den Folgen dieses Plastiks hat niemand damit so direkt zu kämpfen wie die maritime Flora und Fauna. Weil Plastik durch Reibung, Salzwasser und Sonne nur sehr langsam zerfällt (Beispiel der PET Flasche: sie zersetzt sich in  etwa 450 Jahre im Ozean in immer kleinere Stücke), sind Tiere den vielen Gefahren von frei im offenen Meer schwimmenden Plastikmüll ständig ausgesetzt. Die Zahlen, wie viele Meeressäugetiere und Millionen Seevögel jährlich an gefressenen oder um sie gewickelten Plastikteilen sterben, können nur geschätzt werden. Laut der NABU kosten die Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft jedes Jahr bis zu 135.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel das Leben. Viele dieser Arten stehen auch wegen der Vermüllung auf der Roten Liste für bedrohte Arten. Was wir achtlos wegwerfen, beeinträchtigt die absolut faszinierende Artenvielfalt und die gigantische Ökosysteme des Ozeans. 

Plastikmagazin

Abfallwirtschaft München: Wissenwertes über Plastik und Plastikvermeidung

In dieser Broschüre werden die Themen Plastik und Plastikvermeidung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet:

  • Wie viel Plastik wird produziert und weggeworfen?
  • Warum kann nicht einfach alles recycelt werden?
  • Welche Herausforderungen sehen Expertern?
  • Was macht der AWM?
  • Was kann jeder Einzelne tun?

Von Plastikmägen und pinken Quallen

Häufig verheddern die Tiere sich in Plastik oder verwechseln es mit Nahrung. Schildkröten, die sich hauptsächlich von Quallen ernähren, fressen demnach oft ähnlich wirkende Plastiktüten. Seevögel verschlingen Feuerzeuge oder Zahnbürsten und verfüttern sie an ihre Jungen. 

Vor allem Verpackungsmaterialien und ring- oder schnurartige Müllteile sind hochgefährlich für größere Meeresäugetiere wie Delfine, alle Arten von Meeresschildkröten, Haie oder Robben. Sie verletzen sich bei dem Versuch, sich aus Angelschnüren, Langleinen oder verloren gegangenen Fischernetzen zu befreien oder ertrinken erbärmlich, wenn es ihnen nicht gelingt.

Viele Vögel verhungern mit dem Magen voller Plastik (im Durchschnitt sind das 34 Teile bzw. hochgerechnet auf einen menschlichen Magen 31 Gramm, diese Portion passt etwa wie ein Schwung Nudeln auf deinen Teller. (Plastikatlas S. 28) Oder sie versterben qualvoll an inneren Verletzungen ihres Magen-Darm-Tracktes: er verstopft oder entzündet sich.

Giftstoffe, die sich wie Magnete an den Plastikpartikeln anreichern, nehmen marine Tiere in hohen Konzentrationen auf.  Bei den Zersetzungsprozessen von Plastikteilen werden gefährliche Inhaltsstoffe wie Bisphenol A, Phtalate oder Flammschutzmittel freigesetzt, die sich in der Nahrungskette anreichern und nachhaltig das Erbgut und den Hormonhaushalt mariner Lebewesen beeinflussen können.

Für sogenannte Filtrierer, also Lebewesen, die die Nahrung direkt aus dem Meerwasser filtrieren, wie zum Beispiel Quallen, Muscheln oder Korallen, sind diese Giftstoffe eine tödliche Mahlzeit. Hinzu kommen die steigenden Wassertemperaturen und der zunehmende Turbotourismus.

Und der Kreis schließt sich: Wenn du darüber nachdenkst, scheint es logisch, aber auch Wissenschaftler vermuten, dass wir diese Giftstoffe, sowie das Mikroplastik direkt über den Fisch (meist aus konventioneller Aquakultur) auf unserem Teller in uns aufnehmen. 

Unsere Meere sind gefährdet! Und damit auch wir! Warum hören wir nicht auf, sie als Mülldeponie zu benutzen?

Die Prognosen unserer Wissenschaftler sind sehr düster: Ändern wir nichts an unserem Verhalten, könnte sich die Menge Plastik, die wir in unsere Ozeane kippen, bis ins Jahr 2025 – und das sind nur noch 5 Jahre – verzehnfachen, heißt es bei NABU.

Die gute Nachricht: jede*r kann etwas tun! Wir müssen nicht achtlos zuschauen, wie das Meer vermüllt. Unsere Entscheidungen, die wir heute treffen, definieren unser Morgen. 

Dazu musst du dir bewusst sein, dass dein Tun etwas verändern kann. Machen wir ein kleines Gedankenexperiment.

Auch wenn es dir vielleicht utopisch erscheint,  dass der Plastikverzicht eines einzelnen Menschen Leben retten oder die Vermüllung der Meere reduzieren kann, erinnere ich dich noch einmal an den folgenden Fakt: 2016 verursachten die Deutschen rund 38 Kilogramm Plastikverpackungsabfälle pro Kopf. Wenn du deinen Verpackungsmüll reduzierst oder vielleicht sogar Schritt für Schritt auf null herunterschraubst, hast du schon einen Großteil deines direkt verurachten Mülls im Griff und tust etwas für deine Gesundheit.

Quellen:

https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/plastikatlas-2019/

https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/meeresschutz/19-05-mu__llkippe_meer-5-2019-final.pdf