Das große Problem mit Plastik - Teil 1: Plastik, Fluch und segen

Das Plastik Problem

In unserer Artikelserie stellt dir unsere Autorin Kristin in drei Teilen das große Problem mit dem Plastik vor. 

Teil 1: Plastik, Fluch und Segen

Teil 2: Plastik und Gesundheit

Teil 3: Plastik in unseren Meeren

Plastik - Wie eine gute idee eine böse entwicklung nahm

Wir schreiben 1839. Der Engländer Charles Goodyear experimentiert mit einer Kombination aus Kautschuk und Schwefel und stellt damit die erste Form des Kunststoff her: Gummi.

Plastik. Der einst so hoch gelobte Rohstoff ist heute nicht nur ein riesiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Während 1950 weltweit zunächst eine Millionen Tonnen Plastik produziert wurde, stellen wir heute jedes Jahr etwa 400 Millionen Tonnen Kunststoff her. Mit der Entwicklung der PET-Flasche in den 60er Jahren war Plastik DIE neue Errungenschaft der Moderne: plastic fantastic!

Und das nicht einmal zu Unrecht. Natürlich hat Plastik einige Eigenschaften, die einzigartig sind. Es ist sehr leicht, bruchfest, elastisch, temperaturbeständig und vor allem in unterschiedlichen Härtegraden herstellbar. Auch wenn sein Ruf so schlecht ist: Der Kunststoff macht sich teilweise sogar gut für unseren Energieverbrauch! Denn Plastik

Auch erneuerbare Energien könnten ohne den Kunstoff nicht existieren! Denken wir etwa an Windräder und Solarparks! Aber schaut man sich die Herstellung des Kunststoffes genauer an, trifft man bereits auf ein großes Problem: Plastik entsteht aus dem zwar natürlich vorhandenen aber begrenzten Rohstoff Erdöl. Das zweite große Problem: der Kunststoff ist nicht biologisch abbaubar und verrottet deshalb nicht.

Soweit so gut, denkst du jetzt vielleicht. Aber leider bleibt es dabei nicht.

Plastikmagazin

Abfallwirtschaft München: Wissenwertes über Plastik und Plastikvermeidung

In dieser Broschüre werden die Themen Plastik und Plastikvermeidung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet:

  • Wie viel Plastik wird produziert und weggeworfen?
  • Warum kann nicht einfach alles recycelt werden?
  • Welche Herausforderungen sehen Expertern?
  • Was macht der AWM?
  • Was kann jeder Einzelne tun?

unser plastikkonsum in zahlen

Wenn du das Problem, das unser hoher Plastikkonsum verursacht, umfassend verstehen möchtest, können ein paar Zahlen und Fakten helfen. Der Plastikatlas 2019 erklärt und fasst die komplexen Zusammenhänge und Ausmaße unseres „Plastikplaneten“ in verschiedenen Rubriken zusammen und bietet dafür eine sehr gut recherchierte Grundlage. Wenn du dich also noch näher mit dem Thema Plastik auseinandersetzen möchtest, lade dir das kostenlose PDF herunter oder bestelle ihn bei deiner nächsten Buchhandlung.

Plastik ist allgegenwärtig. Plastik ist problematisch. Das sagen die Fakten:

  1. Wir produzieren es in gigantischen Mengen: Laut dem Plastikatlas wurden zwischen 1950 und 2015 weltweit 8,3 MILLIARDEN TONNEN PLASTIK produziert. Das entspricht mehr als einer Tonne pro Mensch, der heute auf der Erde lebt. (S.14) Den allergrößten Teil machen Einwegprodukte und Verpackungen aus. Allein die Einwegflaschenproduktion in Deutschland würde 13 Mal bis zum Mond und wieder zurück reichen. (S.13) 70% des produzierten Plastiks haben wir aber schon wieder weggeschmissen. Du kannst dir das so vorstellen:  mit der produzierten Menge haben wir ganz Berlin gebaut, und 70 % davon wieder abgerissen!
  2. Wir recyclen viel zu wenig: Nicht einmal zehn Prozent des jemals produzierten Kunststoffes sind recycelt worden. Das bedeutet, unter dem Aspekt, dass Plastik nicht biologisch abbaubar ist muss der Rest irgendwo in unserer Umwelt gelandet sein. (S. 8)
  3. Plastik dominiert die Wirtschaft: 146 Mio. Tonnen Plastik werden allein in der Verpackungsindustrie verwendet. Auf Platz 2 ist mit 56 Mio. Tonnen der Bausektor und mit 47 Mio. Tonnen der Textilsektor. Für Elektronik verbrauchen wir 18 Mio. Tonnen, in Transport & Verkehr sind es 27 Mio. Tonnen. Gebrauchswaren, wie Haushaltsgeräte oder Küchenutensilien, verbrauchen eine Menge an 42 Mio. Tonnen Plastik. (S. 15) Wenn du dich daran erinnerst, dass der Rohstoff endlich ist, haben wir uns eine ziemliche Abhängigkeit geschaffen.  Es ist unausweichlich un deshalb dringend notwendig, einen Ersatz zu erforschen und auf nachhaltigere Rohstoffe zurückzugreifen.
  4. Wir tragen Plastik am Körper: Viele Kleidungsstücke werden aus Chemiefasern wie Polyester gefertigt. Deren Grundstoff ist Erdöl oder -gas. Je nach Produktionsart liegen die CO2-EMISSIONEN EINES POLYESTER-SHIRTS zwischen 3,8 und 7,1 Kilogramm CO2. (Zum Vergleich: eine saisonale Tomate aus deutschem Anbau hat einen CO2 e von 0,3 kg (S.9)
  5. Plastik heizt das Klima an: ZWISCHEN 10 UND 13 PROZENT DES VERBLEIBENDEN CO2-BUDGETS für das 1,5-GRAD-ZIEL fällt auf das Konto von Kunststoffen. (S.9)
  6. Wir schiffen Plastik um die Welt: DER DRITTGRÖSSTE EXPORTEUR VON PLASTIKMÜLL nach Asien und hinter den USA und Japan: es ist Deutschland. (S.9)
  7. Wir schmeißen Plastik zu viel weg: 2016 verursachten die Deutschen rund 38 Kilogramm Plastikverpackungsabfälle pro Kopf. Nur in Luxemburg (50,5), Irland (46,2) und Estland (42,2) ist der Verbrauch noch höher. (S.13)
Plastik Export

nur die spitze des eisbergs

Du siehst: Plastik ist überall. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir klatschen es uns als Mikroplastik aus Kosmetikprodukten ins Gesicht. Wir verpacken nahezu alles darin und tragen es in Form von Kleidung am Körper. Und nicht zuletzt: Durch Industrie, Produktion und natürlich auch den Verbraucher gelangt der Kunststoff auf massive Art und Weise in die Umwelt, wo er verheerende Folgen hat.

Quellen:

Schulz, C.; CareElite.de (2019): Plastikmüll Statistiken, Zahlen, Fakten & Studien 2018/2019. https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten
https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/plastikatlas-2019/

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