Exklusiv im Interview
Chrissi Holzmann von Servus Resi

In einer Zeit, in der es oft nur um Fortschritt, Schnelligkeit und ein stetiges „Mehr“ geht, bietet Servus Resi – natürlich unverpackt einen Gegenentwurf. Der erste Unverpackt-Laden in München, Sendling eröffnete im April 2020. Egal ob Lebensmittel, Kosmetika oder Produkte für den Haushalt: müllfreies Einkaufen ist hier die Devise. 

Chrissi Holzmann, die Gründerin von Servus Resi, hier für Dich im Interview: 

Woher beziehst Du die Lebensmittel ?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich beziehe vieles von Bananeira aus Nürnberg – ein Großhandel, der sich auf „unverpackt“ spezialisiert hat und das System total pusht. Außerdem bekomme ich viel vom Ökoring, ein Großhandel aus Mammendorf, der viele bayerische Bio-Produkte im Sortiment hat. Gleichzeitig beziehe ich von kleineren Betrieben auch direkt. Um die Waren selbst abzuholen fehlt mir die Zeit und der Transporter – es wäre auch ökologisch gesehen kein Vorteil.

Warst Du vorher schon in der Umweltszene aktiv?

Ich hab nur privat in meinem Haushalt getan, was ich konnte. Das ganze Netzwerk, das bereits existierte, war mir überhaupt nicht bekannt.

Was genau hat Dich bewogen „Servus Resi“ zu eröffnen ?​

Viele Punkte gleichzeitig. Ich wollte mich beruflich umorientieren und gleichzeitig etwas finden, das mich die nächsten 10 Jahre (mindestens 😉) glücklich macht, womit ich mich wohl fühle. 

Meine Resi ist der Versuch, der Utopie von „Zero Waste“ ein paar Schritte näher zu kommen.

Wie hat dein Umfeld reagiert?

Eigentlich haben alle meine Bekannten gedacht, dass ich spinne. Ich habe viel Rückhalt von meinen „Engsten“, sprich von meinem Vater, meiner Schwester, meinen besten Freundinnen bekommen. Die wussten, das passt wie Arsch auf Eimer.

War es schwer Deinen Laden zu eröffnen und alles, gerade in Corona-Zeiten, zu finanzieren ?

Am schwierigsten war die Werbung und das Marketing zur Eröffnung. Der ursprüngliche Plan war natürlich eine Eröffnungsfeier, Tage der Offenen Tür, das Einladen aller Kitas und Schulen, des Bezirksausschusses, Workshops und Events … all das musste ins Wasser fallen, sodass wir quasi von heute auf morgen kein Marketing-Konzept hatten. 

Ich habe eröffnet, indem ich einfach nur aufgesperrt habe. Da ich also neue Werbekanäle finden musste, ist alles ein bisschen langsamer losgegangen, als erhofft. Mittlerweile haben wir uns glücklicherweise sehr gut etabliert.

Hast Du das Gefühl Menschen bevorzugen bedingt durch Corona eher Einweg-Verpackungen ?

Schwer zu sagen. Bestimmt einige, aber das sind nicht die Menschen, die in die Resi kommen.

Hast Du das Gefühl, der Zero Waste Lifestyle ist mittlerweile im Mainstream angekommen?​

Jein. Durch viele Reportagen und Aktionen steigt die Aufmerksamkeit für das Problem, aber es denken immer noch zu viele, dass es anstrengend, teuer oder nicht machbar ist. Also nur für „Ökos“.

Was bedeutet ein ganzheitliches Zero Waste Konzept für Dich genau ?

Verschwendung zu vermeiden. Übriggebliebenes geht an TooGoodToGo. Ökostrom von Greenpeace. Keine Leuchtreklame am Laden. Auch mal schweren Herzens ein Produkt nicht anzubieten, wenn ich dadurch einen Lieferanten nur dafür quer durch München schicken müsste. Auf Regionalität zu achten. Weitestgehend Bio anzubieten.

Was könnte ein klassischer Bioladen besser machen?

Haha, ich muss schmunzeln… die „Fehler“ von Bioläden haben uns Unverpackt-Läden eigentlich erst möglich und viel mehr notwendig gemacht. Die Betreiber müssten in erster Linie mehr Druck auf die Produzenten ausüben, was die Verpackungsart und -größe betrifft. Gewisse Produkte vielleicht gar nicht ins Sortiment aufnehmen, nach Alternativen suchen. Im Grunde genommen alle Bemühungen und Überlegungen, die sich die Unverpackt-Szene und der Unverpackt-Verband und vor allem Bananeira machen.

Lieber bio und verpackt oder nicht-bio und unverpackt?

Kommt im Zweifel wohl immer auf das Produkt an. Mich selbst hat die Frage oft zur Verzweiflung getrieben: lieber Bio in klitzekleinen Portionen mit viel Verpackungsmüll (im Bioladen gibt es oft nur 80 g Tafeln Schokolade, nur 100 g „Smarties“, nur 120 g Käse…) oder Waren im größeren Gebinde und somit mit weniger Müll vom Discounter (200 g Tafel Schoki, 200 g Käse…). Ich hab das ganze dann selbst in die Hand genommen und habe nun beides 😉.

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