Zero Waste in den Bergen - dein Ausflug mit einer guten Müllbilanz?

Müllsammeln in den Bergen

Vom Elbsandsteingebirge über den Brocken bis zur Zugspitze: Gerade in der Natur und in den Bergen ist das Thema Müllvermeidung besonders wichtig, denn die sensiblen Lebensräume der Berge sind eine der wenigen Rückzugsorte für Natur, Tiere und Menschen. Wir alle möchten, dass wir diese Orte der Ruhe müllfrei erleben können. ZeroWaste ist daher auf dem Weg dorthin und vor Ort wichtig. Doch was gibt es für Besonderheiten in den Bergen? Was sollte ich beim Wandern dabeihaben?

Der müllfreie Ausflug in die Berge

Begeben wir uns gemeinsam auf einen müllfreien Ausflug in die Berge: Die Wanderroute ist gewählt, die Wanderschuhe stehen bereit und der Rucksack ist gepackt? Egal wie hoch es hinauf geht, wir sollten nicht nur an Sonnencreme und genügend zu trinken achten. Der Weg dorthin ist bereits entscheidend für die Umwelt, denn laut einer Umfrage des DAV aus dem Jahr 2014 legen Bergsportler pro Bergtour im Durchschnitt 138 Kilometer zu ihrem Wanderziel zurück; für Mehrtagestouren sogar 472 km!

Anfahrt

Je nach Verkehrsmittel ist der CO2-„Müll“ 😉 den wir produzieren höher oder niedriger. Mit der Bahn belaufen sich die CO2-Emissionen für Hin- und Rückweg auf knapp 32 kg CO2 und beim PKW (1 Person) auf rund 62 kg CO2. Umgerechnet auf einen einzelnen Baum benötigt dieser 3 Jahre, um das CO2 der Bahnfahrt wieder einzusparen und 6 Jahre für den PKW. Die Bahn oder große Fahrgemeinschaften sind daher für die Anfahrt zu empfehlen, wie auch die Wahl eines nah gelegenen Zielorts. Umso weiter das Ziel entfernt ist, desto mehr bietet sich eine Mehrtagestour an.

gute vorbereitung ist die halbe miete

die richtige kleidung

Das gilt auch beim ZeroWasteWandern. Denn bereits bei der Wahl unserer Bergsteiger-Kleidung können wir Müll vermeiden und Ressourcen schützen. Vielleicht findet ihr „gebrauchte“ Bergkleidung oder Ausrüstung, wie Wanderstöcke, z.B. auf Ebay Kleinanzeigen oder KleiderKreisel. Und nicht alles was „gebraucht“ ist, wurde auch getragen. So findet Ihr vlt. einen Fehlkauf oder ein falsches Geschenk als Schnäppchen. Für Euch wird es günstiger und für die Umwelt spart ihr Ressourcen ein. Und wusstet ihr, dass der nachhaltige Sporthersteller VAUDE mit Ebay einen Vaude Second Use Shop auf Ebay ins Leben gerufen hat. Schaut doch mal vorbei! Oder kennt ihr schon Kleidertauschpartys?

Wichtiger Tipp: Wenn Eure guten Bergschuhe einmal die Sohle vom vielen Bergsteigen verlieren, könnt ihr die Sohle z.B. bei Sportcheck oder vielen anderen Anbietern austauschen lassen. Das Ganze ist meist sehr professionell und ihr könnt Eure teuren Begleiter noch etwas länger erhalten.

Beim Einkauf von wasserfesten- und wasserabweisenden Produkten (z.B. Regenjacke) beachtet: Je mehr High-Tech, desto größer ist in der Regel auch die Chemie im und auf dem Stoff! Achtet auf Beschichtungen ohne per- und polyfluorierte Carbone (PFC), z.B. bei Herstellern wie Vaude und Jack Wolfskin. Bei Synthetik-Kleidung könnt ihr auf Recyclingfasern setzen. Um Mikroplastik beim Waschen zu vermeiden, setze auf Naturfasern oder nutzt beim Polyester-Fleece spezielle Waschbeutel (z. B. „Guppyfriend„). Generell gilt lt. Ökotest auch für Bergbekleidung: Die richtige Pflege schont Eure Wandersachen. Je seltener und je kälter ihr diese waschen, desto besser.

versorgung mit trinkwasser

Für eine stetige Wasserversorgung empfehlt sich eine Trinkblase. Für Euch ist diese sehr vorteilhaft, da sie das Gewicht am Rücken gut verteilt und ihr auch im Gehen trinken könnt. Für die Umwelt ist es gut, weil ihr Wasserflaschen aus Plastik einspart. Außerdem halten die Trinkblasen sehr lange. Der einzige Nachteil: nicht plastikfrei, was daher auch den neutralen Wassergeschmack beeinflussen kann. Wenn Dir das wichtig ist, greife auf Alternativen zurück. Diese sind aber oft aus Glas und schwerer, wie z.B. die Soulbottles, was fürs Wandern nicht optimal ist. Das zusätzliche Gewicht solltest Du einplanen oder z.B. auf Edelstahl-Flaschen setzen (siehe z.B. Klean Kanteen).

Starten wir morgens recht früh und benötigen noch einen Kaffee zum „warm“ werden, dann am besten diesen im eignen Cofffe-To-Go Becher, im Café am Bahnhof oder in einem Recup-Becher genießen.

und dann geht es los - verhalten auf dem berg

Ist der Ausgangsort der Wanderung erreicht, kann es endlich los gehen. Wenn Ihr das nächste Müllvermeidungs-Level erreichen wollt und Eure Müllbilanz negativ werden soll, nehmt eine Tüte und ggf. Handschuhe mit, so könnt ihr die Schokoriegel-Hülle Eures Vorgängers aus Plastik schnell aufsammeln und der Umwelt etwas Gutes tun. Es gibt sogar erste Hotels/Unterkünfte, die Dich fürs Müllsammeln in der Region mit einem kleinen Preisnachlass belohnen, siehe z.B. das Landhaus Altmühltal: „Sie sammeln bei Ihrer Wanderung im Naturpark Altmühltal die umherliegenden Überreste menschlicher Unachtsamkeit und erhalten für jede volle Tüte/Nacht 1 Euro Rabatt auf Ihre Übernachtungsrechnung.“

Der Alpenverein hat sich bereits seit 1970 dem Thema mit der Initiative „Saubere Berge“ angenommen. Bereits seit 2010 finden Berggeher*innen auf Alpenvereins-Hütten sogenannten „Sackerlspender“ sowie verrottbare Maisstärkesackerl. Diese können durch verschiedene Kooperation den Gästen kostenlos zu Verfügung gestellt werden. Weiterhin ist es wichtig, dass Du keine Pflanzen von vor Ort abpflückst und/oder mitnimmst. Denn oft erkennen wir Laien geschützte Arten der Bergwelt gar nicht und es ist verboten „besonders geschützte Arten“ zu pflücken oder auszugraben. Bußgelder insb. in Naturschutzgebieten können hoch sein.

Habt ihr den Gipfel endlich erreicht, dann genießt ihr sicherlich den Ausblick. Und wenn es Euch geht wie mir, habt ihr Hunger und Durst. Hier könnt ihr viel tun, um Müll zu vermeiden. Von der Brotzeitbox, das Radler in der Mehrweg-Falsche, Bienenwachstücher oder Einmachgläser ist alles möglich! Wichtig ist bei dem einen oder anderen der Gipfelschnaps. Diesen gibt es bei uns in einem kleinen Flachmann, der uns auf vielen Wanderungen begleitet hat. Auch ein Taschenmesser ist nützlich, wenn Du noch etwas Obst o.ä. vor Ort aufschneiden möchtest.

Doch die Banane kann ich dann ins nächste Gebüsch schmeißen; ist doch Natur?! Nein, bitte nicht. Ein wichtiger Fakt, den viele nicht kennen ist, dass aufgrund der Kälte in den Bergen die Zersetzung und Verrottungsdauer auch von „Biomüll“ viel länger braucht. Laut dem Alpenverein Österreich dauert es ca. 1-5 Jahre bis ein Papiertaschentuch (vom Schnäuzen oder Toilettengang) verrottet und 1-3 Jahre bei der Banane. Gerade bei der „biologischen“ Banane ist vielen nicht bewusst, dass diese nur sehr, sehr langsam verrottet!

Verhalten in den Bergen

die hüttenbetreiber unterstützen

Wenn Ihr auf einer Hütte einkehrt, beachtet, dass diese die meisten Lebensmittel und Getränke aus dem Tal nach oben transportieren müssen, ebenso wie der Müll meist wieder ins Tal gebracht werden muss (das erklärt bei abgelegenen Hütten auch teurere Preise, da hier hohe Transportkosten, u.a. sogar mit einem Helikopter, anfallen können).

Daher ist es am besten, wenn ihr etwas konsumiert, was möglichst nah an der Alm-Hütte produziert wird. Es gibt das Siegel „So schmecken die Berge“, hier könnt ihr Spezialitäten aus der Region auf über 118 Alpenvereinshütten genießen. Die meisten Produkte stammen aus ökologischer Berglandwirtschaft im Umkreis von 50 km. So unterstützt ihr die lokale Produktion vor Ort und die historischen Nutzungsformen. Als Tipp: Viele Hütten haben lokale Buttermilch von den Weidekühen vor Ort. Diese schmeckt gut, ist gesund und eine regionale Spezialität.

was beachten bei mehrtagestouren?

Bei Mehrtagestouren kommen natürlich noch weitere Aspekte zu Zero Waste hinzu. Material und Ausrüstung, wie Zelte, Kochgeschirr und sogar Mountainbikes, kann man sich bei vielen Sektionen des Deutschen Alpenvereins (DAV) mieten (z.B. beim DAV in München, übrigens oft auch bei verschiedenen Anbietern im Ausland). Bei  Nebenan.de kann geschaut werden, ob der Nachbar kostengünstig/-los Ausrüstung zum Verleihen anbietet (Freundinnen habend sich z.B. kostenlos einen Schlitten leihen können). Und auch z.B. Globetrotter in München bietet einen Verleihservice für alpine Ausrüstung an.

Zum Abschluss noch der Hinweis, dass auch bei Wander-Büchern und Wanderkarten Ressourcen und Müll eingespart werden können, denn Routen ändern sich und Karten und Bücher veralten. Kaufe auch diese mit Bedacht, leihe sie von Freunden, Familie oder von DAV Sektionen.

fazit

Denke bereits vor der Wanderung beim Planen von Kleidung, Route, Anfahrt, Ausrüstung, Verpackung von Essen und Getränken auf Nachhaltigkeit und versuche Müll zu vermeiden. Wenn doch Müll (z.B. Bananenschale) entsteht, nimm diesen wieder mit zurück. Und wenn Du Müll von Anderen findest, packe auch diesen ein, um den Bergen etwas Gutes zu tun. Somit bist Du gut gerüstet für Deine nächste/erste Zero Waste Wanderung!

p.s. Wer noch mehr wissen möchte, findet im Handbuch für „Saubere Berge“ des Alpenvereins Österreich auf über 70 Seiten weitere Informationen zum Thema.

Viel Spaß beim Wandern, wünscht die Anna 😉