Kleidung sinnvoll kaufen, tragen & entsorgen!

Kleidung sinnvoll kaufen, tragen & entsorgen!

Soziale und ökologische Folgen der Textilproduktion

Konventionell produzierte Kleidung verursacht vielfache soziale und ökologische Probleme – und macht noch immer den größten Anteil der von uns konsumierten Textilien aus.

Die Arbeitsbedingungen in Produktionsländern wie Bangladesch oder Pakistan sind eigentlich niemandem zuzumuten: Meistens sind es Frauen, die bis zu 16 Stunden am Tag für unter zwei Euro am Tag arbeiten. Dramatische Bilder wie vom Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch im April 2013 zeigen uns außerdem die Missachtung von Sicherheitsvorkehrungen seitens der Firmen. Immer kürzere Kollektionszyklen, der sogenannte „Fast Fashion Trend“ und die Nachfrage nach billigen Kleidungsstücken verschärfen diese Situation.

Neben der sozial untragbaren Situation verursacht diese Produktionsweise außerdem weitreichende ökologische Schäden. Für die Baumwollproduktion wird beispielsweise sehr viel Wasser gebraucht (1 kg Baumwolle = ca. 170 Badewannen Wasser) – und das ist in den Anbauregionen oft knapp. Des Weiteren werden für die Herstellung eines Kilogramms Textil mitunter ein Kilogramm Pestizide verwendet. Selbst biologische Kläranlagen sind teilweise zu schwach, um die Pestizide, die häufig im Abwasser landen, herauszufiltern. In einigen Ländern werden diese Abwässer deshalb direkt in Flüsse geleitet, beispielsweise in China und Indien.

Chemische Fasern wie Polyester oder Elasthan stellen uns vor weitere ökologisch Herausforderungen: der Abrieb der Chemiefasern beim Waschen führt zur Entstehung von Mikroplastik im Wasser (schätzungsweise 80 bis 400 Tonnen Mikropartikel entstehen so jährlich in Deutschland).
Allein der Kauf und die Produktion von Textilien ist in Deutschland für rund 135 Kilogramm CO2 pro Person im Jahr verantwortlich. Das entspricht ungefähr dem gleichen Ausstoß wie bei einer PKW-Fahrt von Stuttgart nach Hamburg.

Es sollte jetzt also klar geworden sein, warum wir das Thema Kleidung mal etwas genauer unter die Lupe nehmen sollten. Die Fakten sind zwar bedrückend, aber auch hier kann mit dem Motto „Zero Waste“ einigen Problemen Abhilfe geschaffen werden.

Schritt 1: Nicht kaufen

Weniger ist mehr! Denn es ist ja offensichtlich: wer weniger kauft, trägt weniger zu den genannten ökologischen und sozialen Missständen in der Textilproduktion und -nutzung bei. Und mal ehrlich: wer von uns zieht schon wirklich 95 verschiedene Kleidungsstücke an? So viele Teile haben die Deutschen Greenpeace zufolge (Stand 2015) nämlich durchschnittlich im Schrank, Socken und Unterwäsche nicht mitgezählt. Am besten fragen wir uns also vor jedem Kauf, ob wir das Kleidungsstück nun wirklich brauchen (klar „brauchen“ ist so ein Begriff …). Je nach unserem bisherigen Konsumverhalten ist die Antwort hier wahrscheinlich mal oft, mal weniger oft „nein“. Was dabei durchaus hilfreich sein kann, ist den eigenen Kleiderschrank regelmäßig zu checken, um sich bewusst zu sein, was sich darin eigentlich alles verbirgt.

Das Schöne ist, dass ein reduzierter Konsum nicht kompletten Verzicht bedeutet. Wie wär´s denn zum Beispiel mal mit Geld sparen und tauschen zur Abwechslung? Garantiert finden sich selbst im eigenen Freundeskreis Leute, die das ein oder andere Kleidungsstück zu viel im Schrank haben und sich über neue Teile freuen. Die meisten Dinge, die wir aussortieren, sind obendrein in einwandfreiem Zustand. Warum also nicht das nächste gemeinsame Abendessen mit einer Kleidertauschparty unter Freunden verbinden!

Wer keine tauschfreudigen Menschen kennt, der kann aber auch einfach zu einem öffentlichen Kleidertausch gehen. Wir informieren Euch über Termine in München in unserem Event-Bereich.

Selbst für besondere Anlässe gibt es übrigens eine Alternative zum Kauf. Inzwischen findet sich nämlich für fast jeden Anlass ein Anbieter, bei dem sich die passende Kleidung ausleihen oder mieten lässt. Ob für die Hochzeit oder eine Mottoparty. Im Freundes- und Bekanntenkreis rumfragen lohnt sich natürlich auch hier.

Schritt 2: Wenn kaufen, dann gebraucht

Auch das Kaufen gebrauchter Kleidung reduziert die Menge an Produziertem und gleichzeitig die negativen Folgen. Das Prinzip ist das Gleiche wie beim Tauschen. Geld sparen kann man auch hier, denn die gebrauchten Teile sind meist viel günstiger als beim Neukauf. Hier bieten sich Flohmärkte oder Secondhandläden an. Eine persönliche Empfehlung sind die Läden von Oxfam, von denen es in München ganze fünf Stück gibt. Hier lässt sich nicht nur nachhaltig einkaufen (neben Kleidung auch Bücher, Filme, Geschirr und mehr), sondern gleichzeitig noch mehr Gutes tun: In den Läden arbeiten ausschließlich Ehrenamtliche und die Erträge fließen in Projekte für eine gerechtere Welt.

Eine weitere Möglichkeit: sich des schier unendlichen Angebots gebrauchter Kleidung im Internet bedienen. Hier gibt es beispielsweise Vinted oder eBay Kleinanzeigen.
Zwar ist auch der Versand von Kleidung aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens ökologisch nicht unproblematisch, dennoch ist es besser gebrauchte Kleidung online mit Versand zu kaufen als neue Stücke. Bei Bestellungen von Onlinehändlern wird häufig zu viel oder in der falschen Größe bestellt, die überflüssigen Teile werden dann zurückgeschickt, was ein doppeltes Verkehrsaufkommen bedeutet. Die zurückgesendete Ware wird von den Händlern oftmals vernichtet, um Kosten zu sparen oder aus hygienischen Gründen. Also: auch bei Gebrauchtem genau auf Größe und Zustand achten, sodass es keine Enttäuschungen gibt und die Teile gleich wieder aussortiert werden müssen.

Wenn´s doch mal neu sein muss: Ökologisch und fair kaufen

Ökologische Label gelten noch immer als Nischenmarkt. Dennoch gibt es sie, die nachhaltigen Kleidungsmarken. Eine Recherche und ein wachsames Auge in der Stadt lohnen sich hier. Um sich nicht von eventuellen Greenwashing-Versuchen täuschen zu lassen, sollte auf empfohlene und unabhängige Siegel geachtet werden. Hier findet Ihr eine Übersicht vom Umweltbundesamt.

Wenn es doch mal ein neues Teil sein muss, gibt es also gute Alternativen zu den herkömmlichen Billiganbietern. Ein weiterer Vorteil von qualitativ hochwertigen Kleidungsstücken ist zusätzlich die längere Nutzbarkeit der Kleidungsstücke, da diese meist weniger schnell kaputt gehen als billig Produziertes.

Schritt 3: Nachhaltig tragen

Wer seine Kleidung nachhaltig erhält, muss weniger oft für Ersatz sorgen. Deshalb gilt es im Sinne der Umwelt, pfleglich mit den Dingen umzugehen. Dazu gehören eine gute Pflege und das richtige Waschen. Tipps zum richtigen Waschen finden sich beispielsweise auf der Seite des Umweltbundesamtes.

Selbst wenn ein Kleidungstück mal einen kleinen Mangel aufweist, muss es nicht gleich aussortiert werden. Viele Dinge lassen sich flicken und ausbessern. Wer selbst nicht nähen kann, findet in München zahlreiche Änderungsschneidereien, die schon für einen geringen Preis Ausbesserungen oder Änderungen vornehmen. Außerdem gibt es vielfältige Upcycling-Ideen, von denen man sich inspirieren lassen kann.

Schritt 4: Sinvoll entsorgen

Sollten wir uns mal von dem ein oder anderen der durchschnittlich 95 Kleidungsstücke in unserem Schrank trennen (und es besteht kein Tausch-Bedarf), sollten wir diese nicht einfach in den Mülleimer schmeißen. Dinge, die im Restmüll landen, werden verbrannt und können nicht mehr alternativ genutzt werden.  Das allermeiste ist jedoch gut erhalten und Secondhandläden oder Kleiderkammern wie die von der Caritas (verschiedene Anlaufstellen in München) freuen sich immer über eine Spende. Eine Übersicht darüber, wo sich Altkleider fair spenden lassen, findet sich auf der Seite von Fairwertung. Auch zerrissene Stoffe oder Ähnliches lässt sich noch anderweitig verwerten. Im Altkleidercontainer sind alte Klamotten deshalb besser aufgehoben als im Mülleimer.

Eins ist natürlich auch klar: Das beinah unendliche Angebot von gebrauchter Kleidung, das vor allem online zu finden ist, haben wir häufig ziemlich kaufwütigen Menschen zu verdanken. Langfristig wäre es optimal, wenn jede und jeder sich darauf besinnt, was sie oder er wirklich braucht und dadurch vor allem der Fast Fashion Trend wieder umgekehrt werden kann.