EINKAUFEN OHNE VERPACKUNGSMÜLL:: UNVERPACKT EINKAUFEN MIT DEM EIGENEN BEHÄLTNIS

ZeroWaste Einkaufen

Eine Möglichkeit, im Alltag umweltbewusst zu handeln und dabei Müll zu vermeiden, ist unverpackt einzukaufen. Mit wenig Aufwand und hohem Mülleinsparpotenzial können wir als Verbraucher*innen Einwegverpackungen aus schwer recyclebaren oder energieintensiven Materialien wie Aluminium, Plastik oder Verbundstoffen reduzieren.

Das solltest Du über verpackungsfreies Einkaufen wissen​

Großartig, dass Du Dich für kleinere Müllberge und eine plastikfreiere Welt einsetzt! Und Du wirst feststellen: verpackungsfreies Einkaufen macht Spaß! Zu sehen, wie klein der Müllberg in Deiner Küche bleibt. Wie selten Du von nun an zur völlig überfüllten Wertstoffinsel rennen musst. Wenn Du ein paar Dinge im Hinterkopf behältst, beschert Müllvermeidung beim Wocheneinkauf auch Dir Glücksgefühle.

Oft wird Dir beim Einkauf das Vorurteil begegnen, Einkaufen mit eigener Box sei unhygienisch oder nicht erlaubt. Tatsächlich gibt es kein Gesetz, welches die Handhabe mit mitgebrachten Behältern festlegt. Das heißt, jeder einzelne Händler und Ladeninhaber kann selbst darüber entscheiden, ob er Dir Deine Lieblingsprodukte in Deine eigene Box verkauft. Wie genau der perfekte Unverpackt-Einkauf funktioniert, kannst Du ausführlich beim Lebensmittelverband Deutschland nachlesen. Sollte sich das Verkaufspersonal unsicher sein, kannst Du sie gerne auch auf das Merkblatt des Verbands hinweisen. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: im Laden ins Gespräch kommen und nachfragen lohnt sich! Viele Händler freuen sich, wenn sie auf das Thema aufmerksam gemacht werden und Du freudestrahlend mit Deinem Produkt in Deiner Box aus dem Laden spazierst. Ein positives Erlebnis für beide Seiten!

Wichtig ist in jedem Fall, dass Dein Behältnis sauber ist. Die Verantwortung über das unverpackte Lebensmittel liegt mit Kauf dann zwar bei Dir, doch zu Deinem eigenen Schutz darf das Verkaufspersonal Deine Box abweisen, sollte sie verschmutzt sein. Spüle sie einfach vorher einmal ab, damit keine Brotkrümel oder Fettspuren zwischen Dir und Deinem müllfreien Einkaufserlebnis stehen.

Unverpackt Einkaufen - so geht`s

Die Ladentheke ist eine Hygienebarriere, die sicherstellt, dass nichts hinter die Theke gelangt, was dort nicht hingehört. Um die Übergabe der Lebensmittel so unkompliziert wie möglich zu gestalten, gibt es verschiedene Handlungsmöglichkeiten für Dich und das Personal:

  • Sag schon bei der Bestellung Bescheid, dass Du gerne Deine mitgebrachte Box statt einer Einwegverpackung verwenden möchtest. Die Verkäufer*innen haben ihre routinierten Handgriffe und schätzen es, wenn Du sie vorbereitest. Sonst geht es dann ganz schnell und bevor Du Einwand gegen die Bäckertüte einlegen kannst, ist das Brot auch schon darin verschwunden…
  • Phrasen, die Du verwenden kannst, sind z.B. „In diesen Beutel hätte ich gerne…“, „Ich möchte Müll vermeiden, können Sie mir … in diese Box füllen?“ oder „Ich brauche keine Tüte, geben Sie mir … gleich auf die Hand.“
  • Lass beim Bäcker/Marktstand die Lebensmittel in Deine Box oder Deinen Beutel fallen oder nehme sie mit der Hand entgegen und packe sie selbst ein.
  • Stelle an der Frischetheke/am Imbisswagen Deine geöffnete Box auf das bereitgestellte Tablett auf der Theke, lasse Dir Dein Produkt abfüllen und wiegen, und nimm Deine Box inklusive Beleg wieder entgegen.
  • Deine Box sollte nicht ohne Weiteres hinter die Theke genommen werden. Gibt es kein Tablett oder eignet sich das Produkt nicht für den Slam Dunk des Tages, werde kreativ: lass Dir das Produkt auf einen Teller oder einer Tasse geben und fülle es selbst im Kundenbereich um. Das benutzte Geschirr geht zurück und Du Deines Weges, mit Lieblingsprodukten in petto.

Theorieteil geschafft! Du bist schon voll der Hygieneprofi – jetzt geht`s ans Eingemachte…

Unverpackt Einkaufen - das brauchst Du dafür

Box oder Beutel – DAS perfekte Behältnis für den Unverpackt-Einkauf gibt es (leider) nicht. Pinterest, Instagram und die steigende Zahl Green Influencer lassen einen schnell glauben, dass verpackungsfreies Einkaufen nur top gestylt, mit Glasbehältern und modularen Edelstahlboxen funktioniert, und am besten mit blumengeschmückten Korb am Hollandrad. Von den klimpernden Gläsern, die bei jeder Bodenwelle Angstschweiß auslösen und dem Geschleppe bis in den fünften Stock ohne Aufzug erzählt Dir keiner. Deshalb sind wir ehrlich: Der Einkauf ohne Verpackungsmüll funktioniert am besten ohne Instagram-Fotogenität und gut vorbereitet.

Spontane Käufe - so geht "Unverpackt Einkauf light“

Mit einem Baumwoll- oder Jutebeutel im Rucksack und der Handtasche liegst du nie falsch. Nimmt kaum Platz weg, ist leicht und vielseitig einsetzbar, egal ob als Einkaufstasche, Brotbeutel oder Säckchen für Trockenfrüchte, Haferflocken oder Nudeln aus dem Spender im Unverpacktladen. Mit einem Beutel in der Tasche bist du zumindest für trockene Lebensmittel und Produkte bestens gerüstet. Jetzt musst Du Dich nur daran erinnern, ihn auch immer wieder zurück in die Tasche zu packen. Mit ausgeleierten Armen und Pullovern heimkommen, oder jedes Mal wieder für eine Tragetüte bezahlen, adé!

Überall, wo man unverpackt einkaufen gehen kann, gibt es darüber hinaus Möglichkeiten für die Spontanen und Flexiblen unter uns: Oft gibt es eine Auswahl an Gläsern und Säckchen, die zum Kauf angeboten werden und auch gleich befüllt werden können. Vielerorts stellen Unverpacktläden auch Pfandgläser zur Verfügung. Und in immer mehr Restaurants kannst du auf Mehrwegsysteme wie Recup, Rebowl, Recircle, Rebento, Tiffin Loop, Vytal oder Go Relevo unkompliziert zurückgreifen, um Dein Mittagessen ohne Müll mitzunehmen. Einfach ausleihen, Pfand hinterlassen, Mahl genießen und wieder zurückgeben.

Das volle Programm: Tools und Tipps für Dein Zero Waste Shopping Kit

Wenn es mehr als nur ein paar Brezen und Semmeln in Deinem Beutel und einem morgendlichen Kaffee im Pfandbecher sein soll, stell Dir am besten vorab die Frage: Was brauche ich? Was möchte ich einkaufen und wie? Ausgehend davon solltest Du Dein Behältnis der Wahl küren. Bist du zu Fuß, mit den Öffentlichen, mit dem Rad oder mit dem Auto unterwegs? Wo möchtest Du einkaufen (Art des Geschäfts und räumliche Nähe zu Dir)? Sind die Produkte trocken, fest oder eher flüssig?

Stoffbeutel

gut für trockene Produkte, wie z.B. Backwaren, Seife, Nudeln, Reis, Süßigkeiten, Obst und Gemüse

+ leicht, kann man immer dabeihaben

– in konventionellen Supermärkten werden Backwaren, Obst und Gemüse oft zum Wiegen an der Kasse aus dem Beutel geholt

Sicherlich hast du ein paar Stoffbeutel daheim herumliegen, egal ob Werbegeschenke, selbst bemalt oder mit einem coolen Spruch – einmal vorab gewaschen und sie sind bereit für ihren großen Auftritt als Unverpackt-Einkaufshelferlein.

Bei Neuanschaffung: Achte darauf, dass Du Dich für einen Beutel aus Bio-Baumwolle entscheidest, erkennbar z.B. am GOTS-Siegel. 

Einkaufsnetz

gut für trockene mittelgroße Produkte, wie z.B. Obst und Gemüse; je nach Lochgröße Backwaren, trockene Hülsenfrüchte

+ leicht, mit großem Fassungsvermögen

– in konventionellen Supermärkten werden die Produkte oft zum Wiegen an der Kasse aus dem Beutel geholt

Stoffnetze für den Einkauf kannst Du super häkeln oder aus Gardinenstoffen/Tüll nähen (lassen).

Bei Neuanschaffung kannst du ebenso auf die Nachhaltigkeit achten und Einkaufsnetze aus Bio-Baumwolle mit dem GOTS-Siegel kaufen oder Netze aus alten Gardinen, denen so ein neues Leben geschenkt wird.

Tupperware/ Plastikdose

gut für trockene oder nicht flüssige Produkte, wie z.B. Sandwiches, Käse- oder Wurstaufschnitt, Trockenfrüchte, Nüsse

+ leicht, nimmt aber je nach Größe Platz in der Tasche weg

– je nach Zustand/ Hersteller: wenn Du Dir nicht ganz sicher bist, wie dicht Deine Box hält, lieber keine Flüssigkeiten oder nässende Produkte transportieren

Die in vielen Haushalten gefürchtete Tupper-Schublade ist eine wahre Fundgrube – dort wirst Du auf der Suche nach passenden Plastikbehältern (und hoffentlich passenden Deckeln) sicherlich fündig werden. Diese sind vielleicht nicht hübsch und frei von bedenklichen Inhaltsstoffen, aber eine Weiternutzung ist meistens sehr sinnvoll. #reuse Wenn du Bedenken hast, aber die Box nicht wegwerfen möchtest, benutze sie doch für Produkte, die nicht gegessen werden oder die nicht fetten (Fett und Hitze können Schadstoffe auslösen). Oder Du nimmst die Produkte nach dem Einkauf gleich heraus und füllst sie um.

Wenn Du Dir trotzdem eine schicke neue Plastikdose anschaffen möchtest, achte darauf, dass die Dose BPA-frei ist. Damit stellst Du sicher, dass sich bei heiß eingefüllten Lebensmitteln keine Schadstoffe aus dem Plastik in Dein Essen herauslösen. Wenn sie darüber hinaus auch noch dichthält – Volltreffer!

Ähnlich funktional sind auch neuartige Behälter aus Bambus oder Holz. Sieh Dir hier die Zusammensetzung an und vermeide Melamin oder andere schädliche Klebstoffe. Beachte auch, dass viele dieser Boxen nur zum Transport von Brotzeiten gedacht sind und somit nicht auslaufsicher sind.

Edelstahlbox/Brotbox

gut für trockene oder nicht flüssige Produkte, wie z.B. Sandwiches, Käse- oder Wurstaufschnitt, Trockenfrüchte, Nüsse

+ sehr robust

– je nach Zustand/ Hersteller: wenn Du Dir nicht ganz sicher bist, wie dicht Deine Box hält, lieber keine Flüssigkeiten oder nässende Produkte transportieren

Brotboxen sind absolut im Trend, und wenn Du Dir eine neu zulegen möchtest, entscheide Dich am besten für eine aus schadstofffreiem, rostfreiem Edelstahl. Einige haben auch Trennwände, sodass Du verschiedene Lebensmittel in einer Box transportieren kannst. Wenn die Box zudem unter fairen Bedingungen hergestellt wurde, hast du gewiss einen vielseitigen Begleiter, mit dem Du lange Freude haben wirst.

Glasbehälter

geeignet für alles, egal ob Takeaway-Essen, ein Süppchen, belegte Brote, Aufschnitte…

+ mit entsprechendem Verschluss auslaufsicher und luftdicht, Produkte können so auch gut gelagert werden

– schwer, nimmt je nach Größe Platz in der Tasche weg

Es gibt einige deutsche Hersteller, die qualitative und schadstofffreie Behälter aus Glas produzieren; durch kurze Transportwege eine gute Gelegenheit, den regionalen Handel zu unterstützen.

Schraub-/Bügelglas:

besonders geeignet für Flüssigkeiten und nässende oder stark färbende/riechende Produkte, wie z.B. Antipasti, Aufstriche und Aufschnitte von der Frischetheke, Nussmus, Reinigungsmittel, flüssige Haarspülung, Gewürze, Coffee to go

+ gut verschlossen auslaufsicher und luftdicht, Produkte können oft zum Verbrauch darin verbleiben

– schwer und zerbrechlich, nimmt je nach Größe Platz in der Tasche weg

Leere Gläser von der Tomatensauce, Gemüseaufstrichen, Konfitüre oder Senf sind viel zu schade für die Wertstofftonne und machen sich gut als Unverpackt-Helferlein beim Einkauf. Auch Einmachgläser mit Bügelverschluss sind sehr gut geeignet.

Wenn Du Vorratsgläser neu kaufst, achte auf eine gute Glasqualität, einen dichten Verschluss und darauf, dass sie sich leicht reinigen lassen. Hersteller aus der Region sind ein Pluspunkt.

Glasflasche

DIE Wahl für alle Flüssigkeiten wie z.B. Öl, Alkohol, Reinigungsmittel, Saft

+ auslaufsicher

– nimmt je nach Größe Platz in der Tasche weg, mit Inhalt entsprechend schwer

Die Flaschen von Tomatensauce oder alte Bierflaschen mit Bügelverschluss sind kostengünstige Alternativen zu neuen Glasflaschen. Wenn es eine Neuinvestition wird, achte darauf, dass sich die Flasche gut reinigen lässt. Im Bestfall besteht sie auch aus besonders robustem, dickwandigem Glas. So übersteht Deine Flasche zur Not auch ein paar kleine Missgeschicke.

Edelstahlflasche

gut für Trinkflüssigkeiten unterwegs, z.B. Kaffee, Tee, Leitungswasser

+ auslaufsicher

– leicht und robust, gewissenhafte Reinigung notwendig, da man Ablagerungen evtl. leicht übersieht

Edelstahlflaschen sind besonders geeignet für alle, die viel unterwegs sind. Frei von Schadstoffen gibt es eine Vielzahl an deutschen Herstellern, die langlebige Trinkflaschen produzieren. Wichtig: eine Innenbeschichtung sollte Deine Flasche nicht haben, denn diese kann sich durch säure- und kohlensäurehaltige Flüssigkeiten lösen. Sollte Deine Flasche dann doch irgendwann zu viele Abenteuer miterlebt haben, kann sie ganz leicht dem Recycling zugeführt werden.

Wachstuch

gut für belegte Brote, in Kombi mit einem Stoffnetz oder -beutel

+ darüber hinaus für die Aufbewahrung von angeschnittenem Obst und Gemüse geeignet

– nicht für heiße Lebensmittel; da man das Tuch nur mit kaltem Wasser reinigen sollte, auch nicht geeignet für Fleisch- oder Fischprodukte

Du kannst Wachstücher selbst herstellen oder von diversen lokalen Unternehmen kaufen. Oft sind Wachstücher in Sets erhältlich. Wenn nicht, entscheide dich lieber für die größere Größe und schneide es ggf. passend zu. Am weitesten verbreitet sind Wachstücher mit Bienenwachs; wer Wert auf vegane Produkte legt findet in Wachstüchern mit pflanzlichen Ölen eine entsprechende Alternative. Je nach Nutzung ist es sinnvoll, die Tücher alle 1-2 Jahre auszutauschen.